News de France KW16
Was diese Woche in Frankreich geschah - Kurz & klar
"Die Politik hat ihren Ursprung eher in der Perversität als in der Größe des menschlichen Geistes." Voltaire (1674-1778), Philosoph und Schriftsteller
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Was die Franzosen am Esstisch besprechen
⚖️ Antisemitismus: Hitzige Debatte in der Nationalversammlung mit der Gesetzesvorlage von Caroline Yadan (der Präsidentpartei nahestehend). Der eingebrachte Text sollte offiziell „neue Formen des Antisemitismus" bekämpfen, indem unter anderem der öffentliche Aufruf zur Zerstörung eines von Frankreich anerkannten Staates unter Strafe gestellt wird. Kritiker sehen darin jedoch einen Versuch, jegliche Kritik an der Politik Israels zu kriminalisieren. Eine Petition gegen das Gesetz sammelte über 700.000 Unterschriften auf der Plattform der Nationalversammlung, die zweithöchste Zahl jemals erreicht. Schließlich zog die Regierungsfraktion den Text überraschend zurück. Ein ähnliches Gesetz sollte allerdings im Juni nochmal vorgelegt werden, diesmal aber als Regierungsvorlage statt als Abgeordneteninitiative, was den Text politisch schwerer angreifbar macht.
🛠 Feiertag 1. Mai: Ein weiterer Gesetzesentwurf wurde diese Woche heftig diskutiert. Er sah vor, am 1. Mai die Arbeit von Angestellten in Lebensmittelgeschäften wie Bäckereien, Obstläden, Metzgereien und Blumenläden sowie in kulturellen Einrichtungen wie Kinos und Theater zu gestatten. Der 1. Mai ist in Frankreich der einzige gesetzlich garantierte bezahlte Feiertag. Alle anderen zehn Feiertage können vom Arbeitgeber theoretisch als Arbeitstage festgelegt werden. Unter der Drohung eines Misstrauensvotums lenkte die Regierung schließlich ein: Das Gesetz werde doch nicht geändert.
📚 Grasset-Krise: Rund 170 Autoren haben ihren Abschied vom renommierten Verlag Grasset angekündigt, ein beispielloser Aufstand in Frankreich. Darunter sind prominente Namen wie Virginie Despentes, Bernard-Henri Lévy oder Frédéric Beigbeder. Auslöser ist die Entlasseung von Olivier Nora, der den Verlag 26 Jahre lang leitete, durch den Milliardär Vincent Bolloré, Eigentümer des Mutterkonzerns. In einem gemeinsamen Brief bezeichnen die Autoren die Entlassung als „unannehmbaren Angriff auf die verlegerische Unabhängigkeit und die Freiheit des Schaffens" und werfen Bolloré vor, einen „ideologischen Krieg" in Kultur und Medien zu führen.
Für uns Reisende von Interesse
🏰 Kulturerbe: Die 18 regionalen Denkmäler, die in der neunten Ausgabe des „Loto du patrimoine" gefördert werden, wurden bekanntgegeben. Diese von Fernsehmoderator Stéphane Bern geleitete Mission rettet seit 2018 bedrohtes Kulturerbe mithilfe einer Sonderlotterie. Seit der ersten Ausgabe wurden über 1.080 Denkmäler in ganz Frankreich unterstützt. Unter den Auserwählten 2026 befinden sich das berühmte Fort Boyard an der Atlantikküste, das eine Öffnung für Besucher ab 2028 anstrebt, das Königsschloss von Senlis (Oise), die Synagoge von Phalsbourg (Moselle) sowie die Kapelle Notre-Dame du Kreisker in Saint-Pol-de-Léon (Finistère). Die genauen Fördersummen werden im September zu den Europäischen Tagen des Denkmals veröffentlicht.
🚗 Umweltzonen: Das französische Parlament hat die Abschaffung der sogenannten ZFE (Zones à Faibles Émissions) endgültig beschlossen. Diese Umweltzonen verbannten die ältere, schadstoffreichere Fahrzeuge aus den französischen Innenstädten. Für Reisende mit dem eigenen Auto bedeutet das konkret, dass die bisherigen Crit'Air-Beschränkungen in allen französischen Großstädten hinfällig werden. Ältere Fahrzeuge dürfen nun wieder frei in die Innenstädte fahren. Es könnten jedoch weiterhin punktuelle Maßnahmen zur abwechselnden Fahrbahnbenutzung eingeführt werden, beispielsweise bei Spitzenwerten der Luftverschmutzung. Eine systematische Zugangsbeschränkung für eine bestimmte Fahrzeugklasse ist aber nicht mehr möglich.
Bonne semaine! 😊
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