News de France KW23-24
Was diese Woche in Frankreich geschah - Kurz & klar
„Du bist nicht mehr dort, wo du warst, aber du bist überall dort, wo ich bin.“ Victor Hugo (1802-1885), Schriftsteller
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Was die Franzosen am Esstisch besprechen
⚖️ Skandal Lyhanna: Frankreich steht unter Schock. Die 11-jährige Lyhanna verschwand am 29. Mai nach der Schule in Fleurance (Gers, Südwesten), ihre Leiche wurde eine Woche später gefunden. Der mutmaßliche Täter, ein 41-jähriger Familienvater aus dem Umfeld des Mädchens, sitzt wegen Entführung und Freiheitsberaubung in Untersuchungshaft. Dabei liefen gegen ihn bereits vor der Tat mehrere Verfahren, darunter drei Anzeigen wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe. Insgesamt ist er inzwischen Gegenstand von neun Justizverfahren, Polizei und Justiz hatten ihn dennoch nie gestoppt. Justizminister Gérald Darmanin entschuldigte sich öffentlich „im Namen der Justiz" bei der Familie, Präsident Macron sprach von einem „inakzeptablen Versagen". Das Drama legt auch ein strukturelles Problem offen: Die französische Justiz ist chronisch unterbesetzt. Laut Europarat zählt Frankreich nur 11,3 Berufsrichter pro 100.000 Einwohner... Deutschland mehr als doppelt so viele (25). Bereits im April 2025 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Frankreich wegen Versäumnissen bei der justiziellen Behandlung von Vergewaltigungsfällen an Minderjährigen verurteilt.
💰 Choose France: Beim 9. „Choose France"-Gipfel am 1. Juni verkündete Emmanuel Macron 93 Milliarden Euro an ausländischen Investitionszusagen. Das sind mehr als alle acht vorherigen Ausgaben zusammen. Der Löwenanteil entfällt auf Rechenzentren für Künstliche Intelligenz: Allein der japanische Konzern SoftBank sagte 45 Milliarden Euro fest zu, für KI-Datacenter in Nordfrankreich. Bei Erfolg könnten daraus sogar bis zu 75 Milliarden werden. Macrons Trumpf im Standortwettbewerb ist dabei der günstige, CO2-arme Atomstrom. Frankreich solle „mit Abstand das führende Land für Rechenzentren in Europa" werden. Kritiker merken an, dass Datacenter zwar viel Strom verbrauchen, aber vergleichsweise wenige Arbeitsplätze schaffen. Die Regierung hingegen verspricht gut 15.000 Jobs für alle 71 Projekte. Ein Großteil der 93 Milliarden sind auch Maximalszenarien und keine festen Zusagen mit Datum. Ob aus den Versailler Versprechen reale Fabriken werden, bleibt die Gretchenfrage jeder Choose-France-Ausgabe.
🚀 Weltall: Astronaut Thomas Pesquet (48) soll frühestens im Sommer 2027 zum dritten Mal zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Er wurde tatsächlich Kommandant der kommerziellen Mission PAM-6 des US-Unternehmens Vast ernannt, in Partnerschaft mit CNES, ESA und NASA. Vast eröffnet im Gegenzug seinen Europa-Sitz in Paris. Pesquet hält schon den europäischen Rekord für die längste Zeit im All mit 396 Tagen, sowie für Außeneinsätze (6 „Weltraumspaziergänge", insgesamt fast 40 Stunden im Vakuum). Zugleich soll Reserve-Astronaut Arnaud Prost als weltweit erster Astronaut zur privaten Raumstation Haven-1 fliegen. Ein Höhepunkt für Frankreich als Raumfahrtnation, zumal die Astronautin Sophie Adenot bereits seit Februar an Bord der ISS ist.
🎓 Studienwunsch: Die Antworten sind da! Seit Anfang Juni erfahren Frankreichs Abiturienten, ob ihre Wunsch-Studienplätze klappen. 640.000 Schüler haben dieses Jahr über die zentrale Plattform Parcoursup mindestens einen Studienwunsch bestätigt. Die beliebtesten Studiengänge sind das Medizin-Vorbereitungsjahr (836.000 Bewerbungen), dicht gefolgt vom Pflegefachkraft (828.000, in Frankreich ein Hochschulstudium) und den Ingenieurschulen (727.000). Bei den Universitätsstudiengänge liegt Jura seit fünf Jahren unangefochten vorn (rund 379.500 Bewerbungen). Im Schnitt gibt jeder Kandidat 14,6 Studienwünsche ab, da die Schüler breit streuen, um ihre Chancen zu maximieren.
🖤 Abschiede:
Am 5. Juni starb Bernadette Chirac im Alter von 93 Jahren. Die frühere Première Dame und Ehefrau von Präsident Jacques Chirac war über Jahrzehnte eine Institution, nicht zuletzt durch ihre Spendenaktion „Pièces jaunes" für Kinderkrankenhäuser.
In der Nacht zum 11. Juni erlag außerdem der Segler Charlie Dalin mit nur 42 Jahren einem Krebsleiden. Dalin hatte 2025 die Vendée Globe gewonnen und dabei den Rekord der legendären Solo-Weltumsegelung pulverisiert (64 Tage). Wie sich später herausstellte, segelte er bereits schwer krank um die Welt, mit einem täglichen Handy-Alarm für seine Immuntherapie-Tablette an Bord. Selbst der Renndirektor wusste nichts von seiner Krankheit.
Für uns Reisende von Interesse
🏊 Baden: Der Sommer hat kaum begonnen, da schlagen die Behörden bereits Alarm. Schon jetzt verzeichnet Frankreich auffällig viele Badeunfälle. 2025 war schon ein Rekordjahr mit 1.418 Ertrinkungsunfällen zwischen Juni und September, davon 409 tödlich - ein Anstieg um ca. 15% gegenüber dem Vorjahr. Die französische Gesundheitsbehörde hat ihre Überwachung dieses Jahr deshalb erstmals schon am 1. Mai gestartet, denn auch 2026 kam die Hitze früh. Pass also bitte auf! Bevorzuge überwachte Strände, lasse deine Kinder keine Sekunde aus den Augen und Vorsicht an Flüssen und Badeseen, dort passiert rund die Hälfte aller tödlichen Unfälle. Über 65-Jährige haben ein dreimal höheres Risiko, dass ein Badeunfall schwer endet. Und Alkohol am Wasser ist laut Statistik einer der größten Risikofaktoren... das Rosé-Gläschen also besser erst nach dem Schwimmen!
Bonne semaine! 😊
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