News de France KW35
Was diese Woche in Frankreich geschah - Kurz & klar
Was die Franzosen am Esstisch besprechen
🎒 Schule: 11,6 Millionen Schüler sind nun an Frankreichs Schulen zurückgekehrt ... rund 161.000 weniger als im Vorjahr. Die seit Jahren sinkende Geburtenzahl lässt die jüngeren Jahrgänge tatsächlich schrumpfen. Am stärksten trifft es bislang die Grundschulen, doch die Welle erreicht nun auch die Collèges. Der Rückgang lastet vor allem auf dem öffentlichen Schulwesen, das die große Mehrheit der Schüler unterrichtet. Und die Kurve zeigt weiter nach unten: Laut den Projektionen des Bildungsministeriums könnte Frankreich bis 2035 rund 1,7 Millionen Schüler verlieren - etwa 14 % der Gesamtzahl. Seit 2012 haben in Frankreich über 5.000 Schulen geschlossen und fast 8 % der Schulen bestehen inzwischen aus einer einzigen Klasse.
💶 Haushalt: Der Streit ums Geld ist zurück auf dem Verhandlungstisch. Premierminister Sébastien Lecornu will seinen Haushaltsentwurf für 2027 am 30. September in der Nationalversammlung vorlegen. Den letzten vor der Präsidentschaftswahl. Kernfrage bleibt die 5-%-Marke: Für 2026 hatte die Regierung ein Defizit von 5 % des BIP angepeilt, doch schwaches Wachstum nährt Zweifel, ob dieses Ziel überhaupt gehalten wird. Für 2027 peilt Lecornu nun 4,9 % an, weit entfernt von den 3 %, die die EU-Regeln verlangen. Steuererhöhungen schließt er aus („weder Erhöhung noch Schaffung neuer Steuern"). Ohne Mehrheit im Parlament dürfte er erneut auf einen Kompromiss mit den Sozialisten und womöglich auf Artikel 49.3 angewiesen sein (in dem Fall keine Abstimmung im Parlament).
🌋 Souveränität: Vanuatu hat eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof eingebracht, um die französische Souveränität über die Inseln Matthew und Hunter anzufechten. Frankreich verwaltet die beiden unbewohnten Eilande (je unter 1 km²) als Teil Neukaledoniens und bekräftigte umgehend seine Souveränität. Der Fall kann aber nur verhandelt werden, wenn Paris die Zuständigkeit des Gerichts anerkennt; andernfalls will Vanuatu über eine Mehrheit in der UN-Generalversammlung ein Rechtsgutachten erwirken. Für Frankreich steht mehr auf dem Spiel als ein paar Felsen: Die Inseln sichern tatsächlich eine 350.000 km² große ausschließliche Wirtschaftszone.
🤖 Künstliche Intelligenz: Der US-Chipriese Nvidia übernimmt die KI-Plattform Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar. Gegründet wurde Hugging Face zwar in New York... aber von 3 Franzosen und sie halten einen großen Teil ihrer Teams in Frankreich. Bloomberg schätzt den Anteil jedes Gründers auf rund 1,8 Milliarden Dollar. In Frankreich entzündet sich die Debatte weniger am Käufer als am Standort Europa: Wirtschaftsminister Roland Lescure sprach von einem Weckruf und sinngemäß davon, dass Europas Champions sich ihr Kapital eben anderswo holten, wenn es hierzulande fehle. Einer der Gründer kündigte bereits an, einen erheblichen Teil des Erlöses wieder in das europäische Tech-Ökosystem zu investieren. Der Deal soll in der ersten Hälfte 2027 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der behördlichen Freigaben.
🚗 Autonomes Fahren: Frankreich hat erste Tests von Teslas „Full Self-Driving" auf seinen Straßen genehmigt - zunächst mit zwei Fahrzeugen. Verkehrsminister Philippe Tabarot verkündete die Entscheidung nach einem „konstruktiven Austausch" mit Elon Musk. Und das obwohl noch im Juli dasselbe Ministerium das überwachte System aus Sicherheitsgründen abgelehnt hatte. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Zulassung. Die fällt tatsächlich auf europäischer Ebene. Beim überwachten „Full Self-Driving" bleibt der Fahrer voll verantwortlich und muss die Straße im Blick behalten. Auch für Frankreich geht es um Standortfragen: Fünf EU-Länder (darunter die Niederlande) haben bereits grünes Licht gegeben und die französische Position wird bei der europäischen Entscheidung Gewicht haben.
Für uns Reisende von Interesse
🧵 Kulturausflug: Der Teppich von Bayeux wurde am 2. September im British Museum in London feierlich eröffnet, im Beisein von Emmanuel Macron, König Charles III. und dem neuen britischen Premier Andy Burnham. Für das Publikum ist die Ausstellung vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 geöffnet. Die 70 Meter lange Stickerei aus dem 11. Jahrhundert erzählt die normannische Eroberung Englands und die Schlacht von Hastings (1066). Sie steht im UNESCO-Register „Memory of the World". Museumspräsident George Osborne erwartet die „Ausstellung einer Generation".
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