News de France KW40
Was diese Woche in Frankreich geschah - Kurz & klar
"Opposition ist die Kunst, so geschickt dagegen zu sein, dass man später dafür sein kann." Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838)
Was die Franzosen am Esstisch besprechen
👻 Regierung: Bald ein Monat ohne Regierung... ein Rekord für Frankreich! Nach Gesprächen mit den verschiedenen Parteien scheint keine von ihnen von den Leitlinien des neuen Premierministers Sébastien Lecornu überzeugt zu sein. Für die Sozialisten ist dies zum jetzigen Zeitpunkt „völlig unzureichend“ oder sogar „alarmierend“. Für die Nationalisten heißt es „Bruch oder Misstrauensvotum”, und Marine Le Pen sieht derzeit keinen „Bruch mit dem Macronismus”. Die Konservativen der Républicains befürchten hingegen, dass „ein Haushalt verabschiedet wird, der den übergeordneten Interessen unseres Landes zuwiderläuft”. Kurz gesagt: Das wird kompliziert!
✊ Streik: Zwischen 195.000 und 600.000 Menschen haben am Donnerstag in ganz Frankreich demonstriert. Ein deutlicher Rückgang also im Vergleich zum 18. September, als fast doppelt so viele Menschen auf die Straße gegangen waren. Die Gewerkschaften hatten zu dieser neuen Mobilisierung aufgerufen, nachdem der Premierminister keine Antwort auf ihre Haushaltsforderungen gegeben hatte.
🏛 Parlament: Die nationalistische Partei Rassemblement National kehrt in die Gremien der Nationalversammlung zurück. Sie erhält insbesondere zwei Sekretariatsposten bei der höchsten kollegialen Instanz sowie zwei Vizepräsidentenposten. In diesem Jahr standen 21 Posten zur Wiederwahl. Die Linke verliert damit ihre Mehrheit und rutscht von 13 auf 7 Sitze ab. Im vergangenen Jahr war kein nationalistischer Abgeordneter in den Vorstand der Nationalversammlung gewählt worden. Dabei hatte die Partei von Marine Le Pen in den Parlamentswahlen die meisten Stimmen erhalten. Die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet (Präsidentenpartei), plädierte erneut für eine proportionale Verteilung entsprechend dem Gewicht der Fraktionen. Diesmal gelang es ihr aber, sich bei den Abgeordneten ihrer Fraktion Gehör zu verschaffen.
🚢 Marine: Der russische Tanker Boracay wurde letzte Woche von der französischen Marine aufgrund „Unstimmigkeiten hinsichtlich der Nationalität des Tankers” und seiner „fehlenden Flagge” abgefangen. Er wird beschuldigt, zu der Flotte von Schiffen zu gehören, mit denen Moskau westliche Sanktionen umgeht. Tatsächlich beförderte er laut französischer Justiz „eine bedeutende Ladung Öl“. Seinem automatischen Identifikationssystem AIS zufolge kam er aus dem russischen Hafen Primorsk bei Sankt Petersburg und war auf dem Weg nach Vadinar in Indien. Der Kapitän der Boracay und sein Erster Offizier, beide chinesischer Staatsangehörigkeit, wurden in Gewahrsam genommen, bevor sie wieder freigelassen wurden. Der Tanker konnte anschließend seine Fahrt zum Suezkanal fortsetzen. Laut Emmanuel Macron macht der dieser Flotte zugeschriebene Ölhandel „mehr als 30 Milliarden Euro” für den Haushalt Russlands aus und ermöglicht die Finanzierung von „30 bis 40 % seiner Kriegskosten” gegen die Ukraine.
Für uns Reisende von Interesse
💩 Klamotten: Geschäfte der chinesischen Marke Shein sollen in einigen französischen Galeries Lafayette-Filialen sowie im BHV in Paris eröffnet werden. Eine Entscheidung, die für Empörung sorgt. Nicht zuletzt die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kritisierte die Ansiedlung dieses „Symbols der Fast Fashion”.
🌱 Klamotten: Eine neue Kennzeichnung für die Umweltbelastung von Bekleidung wird in Frankreich eingeführt. Unter dem Namen „éco-score textile” (Textil-Öko-Score) gibt sie Auskunft über die Umweltauswirkungen des Produkts während seines gesamten Lebenszyklus. Die Einführung dieses Systems basiert jedoch auf der freiwilligen Teilnahme der Marken.
Bonne semaine! 😊

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